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Kritik an einer neuen Bahntrasse Hannover-Bielefeld

10. November 2022 | BUND, Klimawandel, Lebensräume, Mobilität, Ressourcen & Technik

Eine Zusammenfassung der Tagung der Naturschutzverbände zur ICE Trasse in Minden.

Wie klimafreundlich ist die geplante ICE Ausbau-/Neubaustrecke Hannover- Bielefeld?  (bigtab.info)

Am 05. November 2022 veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände in Ostwestfalen-Lippe und Niedersachsen im Preußenmuseum in Minden eine Fachtagung zum Thema: „ICE Hochgeschwindigkeitsstrecken und Klimawandel - Anspruch und Wirklichkeit. Wie klimafreundlich ist die geplante ICE Ausbau-/Neubaustrecke Hannover- Bielefeld?“

Ergebnisse der Tagung:

- Eine ICE-Neubaustrecke Hannover-Bielefeld würde durch Bau und Betrieb eine unverhältnismäßig große Menge CO2 verursachen und wäre daher in höchstem Maße klimaschädlich. Zudem würde eine solche Strecke FFH-Gebiete, Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und wichtige landwirtschaftliche Anbauflächen unwiederbringlich zerstören und in weiten Teilen Ostwestfalen-Lippes (OWL) die Trinkwasserversorgung gefährden.

- Eine ICE-Neubaustrecke Hannover-Bielefeld würde durch Inflation sowie Material- und Energiepreissteigerungen weit über zehn Milliarden Euro kosten, die im Bundeshaushalt überhaupt nicht vorhanden sind. Allein deshalb ist die Debatte über ein solches Vorhaben eine Phantomdiskussion.

- Die Bahn selbst rechnet mit der Fertigstellung einer ICE-Neubaustrecke Hannover-Bielefeld nicht vor dem Jahr 2042. Das ist allein zeitlich viel zu spät, um noch einen wirksamen Einfluss auf den Klimawandel zu haben.

- Es bedarf einer viel schnelleren, effizienteren Stärkung der Bahn gegenüber dem Autoverkehr, um das Klima zu schützen.

- Die knappen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel werden dringend gebraucht, um das bestehende Netz der Deutschen Bahn zu erhalten und auszubauen.

- Das Konzept eines integralen Taktfahrplans ist grundsätzlich richtig, aber nicht mit wenigen extrem teuren, aufwändigen und klimaschädlichen Prestige-Projekten für den Hochgeschwindigkeitsverkehr.

- Die Idee einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover-Bielefeld für 300 Stundenkilometer wird von allen beteiligten Natur- und Umweltschutzgruppen, Bürgerinitiativen, allen kommunalen Gremien und Ebenen und sämtlichen politischen Kräften der Region geschlossen, parteiübergreifend und einstimmig abgelehnt.

- Es gibt mit dem Vorschlag eines modifizierten Zielfahrplans für den Deutschland-Takt von Herrn Professor Wolfgang Hesse und dem darauf aufbauenden Alternativkonzept für den Bahnausbau im Korridor Hamm-Hannover des Ingenieurbüros "Bahnzentrum" eine machbare, bezahlbare und in der Region akzeptierte Alternative.

- Es bedarf eines Paradigmenwechsels auf der politischen Bundesebene weg vom Prinzip "höher, schneller, weiter" hin zu einem wirksamen, effizienten und bezahlbaren Bahnausbau, der sich am tatsächlichen Bedarf orientiert und der Mensch, Natur, Landschaft und Klima gleichermaßen zugute kommt, damit die Bahn einen veränderten Planungsauftrag erhält.

- Statt einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke brauchen wir den schnellen Lückenschluss für den zweigleisigen Engpass zwischen Minden und Wunstorf. Dies ist entgegen der Behauptung der Bahn nach dem Konzept des Ingenieurbüros Bahnzentrum ohne massive Eingriffe in vorhandene Bebauung beispielsweise in Dankersen möglich.

- Das 2021 begonnene Dialogverfahren der DB Netz AG zum Bahnprojekt Hannover-Bielefeld wird seinem Anspruch eines tatsächlichen Dialogs auf Augenhöhe nicht gerecht und stellt daher eine Beschädigung von bürgerlichem Engagement und der Demokratie dar. Die Kritik an dem Verfahren ist lange bekannt. Das von Vertretern der Bahn während der Fachtagung geäußerte Erstaunen über die Unzufriedenheit von Umweltschutzverbänden und Bürgerinitiativen ist pure Heuchelei und ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die sich ehrenamtlich seit zwei Jahren in dem Verfahren engagieren und dafür ihre Lebenszeit opfern.

Mehr Informationen: Livestream auf YouTube.

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