Die Gelbe Wiesenraute ist die Blume des Jahres 2027

23. Oktober 2026 | Flüsse & Gewässer, Lebensräume, Naturschutz

Botschafterin für lebendige Flussauen.

Die Gelbe Wiesenraute ist die Blume des Jahres 2027 Die Gelbe Wiesenraute ist die Blume des Jahres 2027  (Cyrille Claudel)

Die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) ist eine Spezialistin: Sie wächst dort, wo Wasser seinen natürlichen Lauf nehmen darf, Flüsse über die Ufer treten und Auen Raum haben. Nasse Füße machen ihr nichts aus, sie ist an das Leben in Überschwemmungsgebieten angepasst. Doch diese Spezialisierung wird ihr zum Verhängnis, wenn Flüsse begradigt, Auen trockengelegt und natürliche Überschwemmungsflächen bebaut werden. Mittlerweile wird die Gelbe Wiesenraute auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands geführt und steht damit stellvertretend für eine Natur, die dringend unseren Schutz braucht. Mit ihrer Wahl zur Blume des Jahres 2027 verbindet die Loki Schmidt Stiftung den eindringlichen Appell: Wir müssen den Flüssen ihren Raum zurückgeben! Für das Überleben von Pflanzen, Tieren und Pilzen, für das Speichern von Wasser in der Landschaft, für die Bildung von Grundwasser und für die Abmilderung von Hochwasser und Starkregenereignissen.

Zitat André Palm, Projektleiter Blume des Jahres: „Die Gelbe Wiesenraute steht stellvertretend für ein gefährdetes Ökosystem, das wir für den Natur- und Klimaschutz dringender denn je bewahren müssen. In den Flussauen lebt auf engstem Raum etwa ein Drittel aller mitteleuropäischen Arten. Wenn wir wollen, dass seltene Pflanzenarten überleben, Federlibellen, Schilfrohrsänger und Biber ihr Zuhause behalten und nicht zuletzt wir Menschen von einem natürlichen Wasserfilter und einem effektiven Hochwasserschutz profitieren können, müssen wir Flüssen ihren natürlichen Lauf endlich wieder zugestehen.“

Zarte Erscheinung, Pollen statt Blütennektar, kleine Früchte mit Rippen

Die Gelbe Wiesenraute wächst an Ufern, in feuchten Wiesen, in Auen und Niedermooren. Sie ist eine ausdauernde Wildpflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Sie erreicht eine Höhe von 50 bis 110 cm, bei äußerst guten Bedingungen bis 150 cm. Sie wächst aufrecht mit einem kräftigen, deutlich gefurchten und kahlen Stängel. Die Blätter sitzen abwechselnd am Spross, sie sind zwei- bis dreifach gefiedert und fein gelappt. Diese Struktur gibt der Pflanze trotz ihrer Größe ein sehr filigranes und lockeres Aussehen. Unter der Erde befindet sich ein leuchtendgelbes, kriechendes Wurzelgeflecht, das Ausläufer bilden kann.

Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August. An den Spitzen der Stängel bildet die Pflanze eine aufrechte, sehr dichte Rispe aus hunderten Einzelblüten. Wer genau hinsieht, entdeckt eine botanische Besonderheit: Die Blüten besitzen keine Blütenblätter, da diese kurz nach dem Aufblühen abfallen. Das charakteristische, schwefelgelbe Leuchten dieser Blütenwolken wird ausschließlich von den zahlreichen aufrechten Staubfäden und deren gelben Pollenbeuteln erzeugt.

Die Bestäubung erfolgt zum großen Teil durch den Wind, der den Pollen aus den offenen Blütenpinseln davonträgt. Auch Schwebfliegen, Käfer und Wildbienen bedienen sich äußerst gern am reichhaltigen Proteinangebot. Nach der Blüte entstehen kleine, gerippte Nüsschen, sogenannte Achänen. Diese Früchte sind sehr leicht und schwimmfähig. Die Samen überdauern die kalte Jahreszeit und werden im Winter oft über das Hochwasser der Flüsse an neue Ufer getragen, wo sie im nächsten Frühjahr als neue Generation auskeimen.

Wie viel Auen leisten: Hochwasserschutz, Grundwasserbildung, Klimaschutz, Erholung

Auen beherbergen trotz ihres geringen Flächenanteils rund ein Drittel aller mitteleuropäischen Pflanzen- und Tierarten. Naturnahe Flussauen sind jedoch nicht nur ein Juwel der Artenvielfalt, auch wir Menschen profitieren in hohem Maße von ihren Leistungen, allen voran von ihrer Pufferfunktion: Bei Hochwasser kann sich das Wasser in den weiten Flächen der Aue ausbreiten, wodurch gefährliche Hochwasserspitzen vermieden werden. Ein Teil des Wassers wird hier wie von einem Schwamm vom Boden aufgenommen, gefiltert und trägt zur Grundwasserneubildung bei, die mit steigenden Temperaturen und der Zunahme von Dürren immer wichtiger wird.

Die feuchten Böden sorgen außerdem dafür, dass abgestorbene Pflanzenteile nicht vollständig zersetzt werden. Sie lagern sich als Torf in den Niedermoorböden ab. In ihnen wird besonders viel Kohlenstoff gespeichert, welcher sonst als Kohlenstoffdioxid in die Luft gelangen und das Klima belasten würde.

Für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit waren die Auen mit ihrer hohen Feuchtigkeit schon jeher von so hoher Bedeutung, dass sogar Stauwerke gebaut wurden, die das Wasser in Trockenperioden über die Flächen leiteten. Nicht zuletzt sind die Auenlandschaften mit ihrer natürlichen Dynamik beliebte Erholungs- und Tourismusorte.

Wie viel Auen leisten: Hochwasserschutz, Grundwasserbildung, Klimaschutz, Erholung

Auen beherbergen trotz ihres geringen Flächenanteils rund ein Drittel aller mitteleuropäischen Pflanzen- und Tierarten. Naturnahe Flussauen sind jedoch nicht nur ein Juwel der Artenvielfalt, auch wir Menschen profitieren in hohem Maße von ihren Leistungen, allen voran von ihrer Pufferfunktion: Bei Hochwasser kann sich das Wasser in den weiten Flächen der Aue ausbreiten, wodurch gefährliche Hochwasserspitzen vermieden werden. Ein Teil des Wassers wird hier wie von einem Schwamm vom Boden aufgenommen, gefiltert und trägt zur Grundwasserneubildung bei, die mit steigenden Temperaturen und der Zunahme von Dürren immer wichtiger wird.

Die feuchten Böden sorgen außerdem dafür, dass abgestorbene Pflanzenteile nicht vollständig zersetzt werden. Sie lagern sich als Torf in den Niedermoorböden ab. In ihnen wird besonders viel Kohlenstoff gespeichert, welcher sonst als Kohlenstoffdioxid in die Luft gelangen und das Klima belasten würde.

Für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit waren die Auen mit ihrer hohen Feuchtigkeit schon jeher von so hoher Bedeutung, dass sogar Stauwerke gebaut wurden, die das Wasser in Trockenperioden über die Flächen leiteten. Nicht zuletzt sind die Auenlandschaften mit ihrer natürlichen Dynamik beliebte Erholungs- und Tourismusorte.

Quelle: Pressemitteilung Loki Schmidt Stiftung vom 22. Oktober 2026.

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