Die Esche ist der Baum des Jahres 2027

04. November 2026 | BUND, Bäume, Lebensräume, Naturschutz

Charakterbaum der bedrohten Auwälder.

Die Gemeine Esche ist der Baum des Jahres 2027 Die Gemeine Esche ist der Baum des Jahres 2027  (WikimediaImages / pixabay.com / CC0)

Der Baum des Jahres 2027 ist die Gemeine Esche (lat. Fraxinus excelsior), eine heimische Baumart, die sowohl mit Feuchtigkeit und Überflutung als auch mit Trockenheit zurechtkommt. Eschen wachsen unter anderem in Auenwäldern – einem stark bedrohten Lebensraum entlang unserer Flüsse. Dort sind die Bäume wichtig für Biodiversität, Klima und Hochwasserschutz. Gewählt wurde die Esche vom Kuratorium für den Baum des Jahres. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist Mitglied.

Nicola Uhde, BUND-Expertin für Waldpolitik: „Wir freuen uns, dass mit der Esche als Baum des Jahres 2027 eine heimische Baumart ausgewählt wurde, die uns als Baumart feuchter Standorte und Vertreterin der bedrohten Auwälder daran erinnert, wie wichtig Klimaschutz und die Renaturierung der Natur sind.“ Eschenreiche Wälder sind besonders artenreich. Die Bäume sind bekannt dafür, feuchte und gewässernahe Standorte wie Auen zu besiedeln. Uhde: „Nur noch rund neun Prozent der verbliebenen Flussauen in Deutschland sind ökologisch intakt. Eschen sind zusammen mit Silberweide, Stieleiche und Ulme Charakterbäume der Auwälder. Wir brauchen sie, um die Vielfalt der Auen zu erhalten.“

Eschenreiche Wälder gehören zu den artenreichsten Waldökosystemen Deutschlands und bieten hunderte spezialisierte Lebensräume für Pilze, Flechten, Vögel, Insekten und Pflanzen. Eschen gehören zu den Baumarten mit eher mittlerer Lebenserwartung und werden maximal 250 bis 300 Jahre alt.

Hoffnung für die pilzgeplagte Esche

Der Eschenbestand in Deutschland ist seit 2002 deutlich zurückgegangen. Die Gemeine Esche hat derzeit einen Waldanteil von etwa 2,5 Prozent. Grund für das Eschensterben ist ein Pilz, der die Bäume befällt. Uhde: „Seit einigen Jahren setzt ein asiatischer Pilz der Esche massiv zu und verursacht das sogenannte Eschentriebsterben. Es hat sich jedoch gezeigt, dass einzelne Bäume eine natürliche Widerstandskraft gegen den Pilz haben. Diese Exemplare müssen so lange wie möglich erhalten werden. Gesunde oder nur geringfügig geschädigte Eschen dürfen nicht gefällt oder gar großflächig gerodet werden. Damit geben wir der Esche eine Chance, sich auf natürliche Weise an den Pilz anzupassen.“

Schutz und Wiederherstellung der Natur unverzichtbar

Damit Eschen und der Lebensraum Auwald eine Zukunft haben, fordert der BUND von der Bundesregierung mehr Anstrengungen beim Schutz von Lebensräumen. Uhde: „Wenn wir unseren Flüssen wieder mehr Raum geben, Auen und andere Lebensräume renaturieren, schützen wir nicht nur Biodiversität und Klima, sondern auch unsere Lebensgrundlagen. Dazu gehört auch, dass die Bundesregierung endlich ihren Entwurf für einen wirksamen Wiederherstellungsplan für die Natur bei der EU-Kommission einreicht. Uhde: „Es kann nicht sein, dass sich die Bundesregierung von dem lauten Getöse einzelner Interessengruppen davon abhalten lässt, zügig umzusetzen, was für die Allgemeinheit von essenzieller Bedeutung ist wie der Erhalt der Natur. Intakte Lebensräume und ihre Ökosystemleistungen wie Trinkwasser, Hochwasserschutz und ein gesundes Klima sind für uns alle überlebenswichtig. Die Verordnung für die Wiederherstellung der Natur ist keine lästige Bürokratie, sondern Teil unser aller Lebensversicherung. Das Gleiche gilt für den Klimaschutz, hier muss die Bundesregierung dringend nachlegen und auf der kommenden UN-Klimakonferenz mit gutem Beispiel vorangehen.“

Hintergrund

Die Wiederherstellungsverordnung (WVO) verpflichtet die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme wieder in einen guten Zustand zu bringen und den Verlust der biologischen Vielfalt umzukehren. Bis September 2026 hätte Deutschland den Entwurf seines nationalen Wiederherstellungsplanes bei der EU vorlegen müssen. Ein Ziel der WVO ist es, bis 2030 mindestens 30 Prozent Lebensräume, die sich in einem schlechten Zustand befinden, wiederherzustellen. Außerdem sollen bis dahin europaweit 25.000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen. Der BUND fordert 2000 Kilometer frei fließende Flüsse in Deutschland.

Bedrohte Auwälder: Durch historische Flussbegradigungen, Kanalisierungen und den Bau von Deichen wurden Flüsse von ihren natürlichen Auen getrennt. Den Wäldern fehlen die überlebenswichtigen, regelmäßigen Überschwemmungen. Hinzu kommen infolge der Klimakrise immer öfter lange Trockenperioden und Hitzestress. Durch sinkende Grundwasserspiegel und ausbleibende Hochwasser infolge der Klimakrise fallen die sensiblen Auwälder trocken und werden anfälliger für Krankheiten. Über 80 Prozent der Auen- und Gewässerbiotope gelten als gefährdet, und bei 44 Prozent ist die Bestandsentwicklung weiterhin negativ.

Wie gut Renaturierung funktionieren kann, zeigt das BUND-Naturschutzgroßprojekt der Deichrückverlegung an der Elbe als erfolgreiches Praxisbeispiel: Von 2002 bis 2011 haben der BUND und das Land Brandenburg bei Lenzen einen Deich zurückverlegt und der Elbe wieder mehr Raum gegeben. So konnten rund 420 Hektar ehemalige Nutzfläche in eine naturnahe Auenlandschaft zurückentwickelt werden. Als erstes großes Vorhaben dieser Art in Deutschland liefert es heute wichtige Erkenntnisse für zukünftige Renaturierungsprojekte.

An der unteren Mittelelbe hat das BUND-Auenzentrum neben der Lenzener Deichrückverlegung auch die 420 Hektar große Halbinsel Hohe Garbe revitalisiert. Dort wächst ein alter Auwald, in den die Elbe seit 2020 wieder regelmäßig einströmt. Außerdem entsteht im Raum Rühstädt derzeit neuer Auwald, der mittelfristig ebenfalls wieder an die Elbe angebunden werden und sich frei entwickeln soll.

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