Der Schwarzkopf-Milchling ist der Pilz des Jahres 2027

03. Oktober 2026 | BUND, Bäume, Lebensräume, Naturschutz, Wälder

Bevorzugter Lebensraum sind Gebirgsnadelwälder mit saurem Boden.

Der Schwarzkopf-Milchling ist Pilz des Jahres 2027 Der Schwarzkopf-Milchling ist Pilz des Jahres 2027  (Gerhard Schuster / DGfM)

Der Schwarzkopf-Milchling, ist ein charakteristisch gefärbter, beinahe unverwechselbar düsterer Bewohner der Gebirgsnadelwälder. Dort kommt er auf saurem Untergrund und vor allem in Partnerschaft mit Fichten vor. Auf Märkten und im Handel ist er kaum zu finden, und als Mykorrhizapilz lässt er sich nicht kultivieren. Vielen Menschen ist er deshalb eher unbekannt, wenngleich er von Kennern als Speisepilz sehr geschätzt wird.

Merkmale

Typisches Merkmal dieses schönen, mittelgroßen Milchlings aus der Familie der Täublingsverwandten ist der starke Farbkontrast seiner Fruchtkörper. Der aufgeschirmte, matt braunschwarze und feinsamtige Hut ist 3-7cm breit und meist zur Mitte hin vertieft, spitzgebuckelt (Papille) und strahlenförmig runzelig. Der Hutrand bleibt lange eingerollt, die Hutfarbe verblasst mit dem Alter zusehends. Die Lamellen sind weiß und werden erst später, nach Heranreifung der Sporen, hellocker bestäubt. Sie laufen typischerweise am schlanken, samtig-matten und bis zu 12cm hohen Stiel herab und verdunkeln dort abrupt. Die Stielspitze wirkt durch die herablaufenden Lamellen längs gefurcht. Dieses Merkmal fehlt zum Beispiel dem möglichen Verwechslungspartner namens Pechschwarzer Milchling (Lactarius picinus). Der Stiel ist oft etwas heller als der Hut, insbesondere zur Stielbasis hin. Die Milch ist wässrig-weiß, nach einiger Zeit leicht bitterlich-scharf und verfärbt mit der Zeit lachsfarben bis roströtlich. Gleiches gilt für das zunächst weiße, zerbrechliche Fleisch.

Vorkommen

Der Schwarzkopf-Milchling kommt - oft begleitet von Heidelbeeren - von August bis Oktober vorwiegend in den moosigen Hochlagen der höchsten deutschen Mittelgebirge und in den Alpen vor. In der norddeutschen Tiefebene fehlt er. Europaweit erscheint er im natürlichen Fichtenareal. Die Art zeigt sich eher zerstreut, wächst selten gesellig und sollte nur dort gesammelt werden, wo sie häufiger auftritt. Insgesamt sind die Vorkommen rückläufig, und auch wenn es regional teilweise noch anders aussieht, gehört der Schwarzkopf-Milchling zu den Verlierern der Klimaerwärmung. In vielen deutschen Bundesländern steht der markante Milchling auf der Roten Liste und sollte geschont werden. Es wird berichtet, dass der Verzehr größerer Mengen zu Übelkeit führen kann.

Sprach- und Kulturgeschichte

Sprachgeschichtlich ist Lactarius lignyotus von jeher spannend - bis heute. Bemerkenswert sind die zahlreichen volkstümlichen Namensgebungen, die sich sämtlich auf seine dunkle Färbung beziehen: Essenkehrer, Mohrenkopf, Pasterle, Rauchfangkehrer, Rußkopf und Schornsteinfeger. Während sich sein wissenschaftlicher Name recht simpel und schlicht mit „rußfarbener Milchling“ übersetzen lässt, zeugen die sprechenden Trivialnamen von einer tiefen kulturellen Verankerung des Schwarzkopf-Milchlings. Gerade Pasterle dürfte vor dem Hintergrund eines weitreichenden kulturgeschichtlichen Wandels heute kaum mehr verständlich sein. Vor allem im Erzgebirge wurde und wird er so genannt, wohl aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einer Pastorentracht mit dunklem Samtrock und schneeweißem Kragen (Beffchen). Die umgangssprachliche Bezeichnung Mohrenkopf scheint sich für den optisch auffälligen Pilz bis in die Gegenwart weithin durchgesetzt zu haben, wird aber aktuell vor dem Hintergrund sozialer Entwicklungen sprachsensibel hinterfragt. So können auch Pilze zum Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen werden.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) e.V vom 03.08.2026.

Zur Übersicht