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Weihen

Weihen sind mittelgroße Greifvögel, die sich durch eine schlanke Silhouette und lange, breite Flügel auszeichnen. Sie bewohnen offene, weitflächige Lebensräume, in denen sie kleine Nagetiere und Vögel im Gaukelflug erbeuten. Sie brüten in Bodennestern, wobei das Männchen das brütende Weibchen und die Jungen mit Nahrung versorgt.

Rohrweihe

Rohrweihen Rohrweihen  (Donald Hobern / wikimedia.commons / CC BY 2.0)

Die Rohrweihe (Circus aeruginosus) gehört zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Sie gilt als Charaktervogel ausgedehnter Röhrichte. Ihre Lebensweise ist enger an Schilf- und Röhrichtbestände gebunden als andere Weihen. Gelegentlich brütet sie auch in Getreide- und Rapsfeldern. Verbreitet ist die Rohrweihe - als Brutvogel - in Nordafrika, Europa und Asien. Die Schwerpunkte der Siedlungsgebiete liegen in Niederungsgebieten.

Die Rohrweihe ist ein Zugvogel, ein Kurz- und Langstreckenzieher. Die Brutvögel treffen ab Mitte März in Deutschland ein. Im März/April ist der beeindruckende akrobatische Balzflug des Männchens zu beobachten: Scheinangriffe gegen das Weibchen, Sturzflüge und plötzliches Seitwärtskippen mit nachfolgendem Sturzflug dienen der Bindung zwischen den Partnern. Das Nest wird in der Regel im dichten Röhricht über dem Wasser errichtet oder zwischen Sumpfpflanzen direkt auf dem Boden; gelegentlich auch in Wiesen oder Getreidefeldern. Das Nest ist ein großer Haufen aus Stöcken, Altschilf und ähnlichem Material. Es ist größer als das anderer Weihen und wird fast ausschließlich vom Weibchen gebaut.

Rohrweihen ziehen nur ein Gelege pro Jahr groß. In Mitteleuropa findet die Eiablage ab Anfang Mai statt und kann sich bis Juni hinziehen. Das typische Vollgelege umfasst vier bis fünf Eier. Die Eier sind kurzelliptisch mit einer glatten Schale, die glanzlos ist. Die Eischale ist bläulichweiß und verfärbt sich durch das Nistmaterial häufig während der Brutzeit. Das Weibchen brütet allein und wird in dieser Zeit vom Männchen gefüttert.

Die Schlupfabstände zwischen den einzelnen Jungvögeln sind unterschiedlich. Während der ersten sieben bis zehn Nestlingstagen werden die Jungvögel intensiv durch das Weibchen gehudert. Auch in dieser Zeit bringt allein das Männchen Futter zum Nest und versorgt dabei auch das Weibchen. Die Beute wird dem Weibchen im Fluge oder auf dem Boden übergeben. Mit zunehmendem Alter der Nestlinge jagen beide Elternvögel nach Nahrung. Die Nestlinge sind mit 21 - 28 Tagen voll befiedert und sind ab ihrem 35. - 40. Lebenstag flugfähig. Sie halten sich die ersten vierzehn Tage nach Ausflug in Horstnähe auf. Bis zu ihrer vollständigen Selbständigkeit vergehen in der Regel weitere zwei bis drei Wochen.

Der Abzug der adulten Vögel in die Winterquartiere beginnt Ende Juli bis Anfang August. Der gerichtete Wegzug Mitte August. Die Winterquartiere liegen unter anderem im Südwesten Europas, im Mittelmeerraum, in Rumänien, der Ukraine, in Afrika, Vorder- und Hinterindien, Sri Lanka und Sumatra. Außer in den Niederlanden gibt es in Mitteleuropa keine überwinternden Rohrweihen. Im Zeitraum von Februar bis April verlassen die Vögel dann wieder ihre Überwinterungsquartiere. Auf dem Zug rasten die Tiere meist in Feuchtgebieten, gelegentlich auch auf Agrarflächen.

Die Ernährungsstrategie der Rohrweihe ist die Überrumpelung ihrer Beute im niedrigen „gaukelnden“ Suchflug mit v-förmig gehaltenen Flügeln. Sie ergreift die Beutetiere meist dicht am Boden, seltener auf dem Wasser oder in der Luft. Die Beute setzt sich zu 70–80 % aus Singvögeln und (zumeist jungen) Wasservögeln wie Enten, Teich- und Blässrallen zusammen. Zur Brutzeit schlägt sie vor allem Küken und Nestlinge und frisst auch Eier ab einer Größe von Elstern-Eiern. Bei entsprechendem Angebot kann der Hauptteil der Nahrung aber auch aus kleinen Säugetieren bestehen. Daneben gehören in geringem Maße auch Fische, Amphibien, Reptilien und Großinsekten zum Nahrungsspektrum. Die Rohrweihe geht auch an Aas und jagt gelegentlich anderen Vögeln die Beute ab. Obwohl Vögel ein Teil ihres Nahrungsspektrums sind, findet man nur selten Rupfungen der Rohrweihe. Sie bearbeitet ihre Beute dort, wo sie sie geschlagen hat. Dies sind nicht selten offene Plätze im Röhricht oder auf Pfählen. Anders als eine Reihe anderer Greifvögel hat sie keine festen Rupfplätze.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Rohrweihen-Bestände durch Abschuss, Eierraub und Zerstörung der Brutstätten stark dezimiert. Seit Anfang der 1970er Jahre nimmt der Bestand wieder zu. Dies wird auf den ganzjährigen Schutz und das Verbot der Anwendung von DDT zurückgeführt. Die Art ist nach wie vor durch die fortschreitende Lebensraumzerstörung, z.B. Trockenlegung von Feuchtgebieten und durch Störungen der Brutgebiete durch den Menschen gefährdet.

Bestandsgefährdend sind wie bei anderen Weihen eine Veränderung oder ein Verlust des Lebensraumes beispielsweise durch Regulierung von Fließgewässern, eine Absenkung des Grundwasserspiegels und Entwässerung. In Deutschland brüteten zu Beginn des 21. Jahrhunderts etwa 4.400 bis 6.630 Brutpaare. Im Holzmindener Wesertal ist die Art regelmäßiger Durchzieher und unregelmäßiger Brutvogel, z.B. Naturschutzgebiet Finkenbruch.

Die Rohrweihe ist in Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie aufgeführt und wird daher auch auf europäischer Ebene geschützt. Gemäß Artikel 4, Absatz 1 dieser Richtlinie müssen die Mitgliedsstaaten die für die Erhaltung dieser Arten zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Lebensräume als Schutzgebiet für das Natura-2000-Netzwerk ausweisen.

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