Die Bezirkskonferenz Naturschutz in OWL begrüßt das Vorhaben der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen im Interesse des Arten- und Biotopschutzes 5000 ha Staatswald aus der Nutzung zu nehmen. Damit kommt das Land NRW seinen Verpflichtungen im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie, 2% der Landesfläche der Natur zu überlassen, ein kleines Stück näher. „Dies kann aber nur ein Anfang sein, denn unser Land hat statt der 2,0% bislang nur 0,2% seiner Fläche wirklich der Natur überlassen - da ist noch ein langer Weg zu gehen,“ meint Karsten Otte als Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL.
Damit steht NRW am unteren Ende des Bundesländer-Rankings in Sachen „Wildnisgebiete“, obgleich eine Potentialstudie aus dem Jahr 2022 deren Umsetzung auf öffentlichen Flächen für ausdrücklich möglich hält. Viele der bestehenden NRW-Wildnisgebiete sind jedoch zu klein, um eigene lebensfähige Populationen von bedrohten Arten zu ernähren, so dass für die Bundesstatistik lediglich Flächen über 1000 ha gerechnet werden, die in NRW allein der Nationalpark Eifel erreicht. „Daher sind auch in OWL dringend größere, zusammenhängende Wildnisentwicklungsgebiete notwendig, gerade auch unter dem Einfluss einer immer intensiveren Forstwirtschaft mit verstärktem schweren Maschineneinsatz und verkürzten Umtriebszeiten im Wald,“ so Karsten Otte.
„Wir brauchen mehr Waldflächen, wo Bäume wirklich noch alt werden dürfen, denn erst dann entfalten sie ihr volles Potential für eine Vielzahl von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die im durchgestylten Wirtschaftswald heute und in Zukunft schlechte Karten haben.“ meint Brigitte Scheuer.
Deshalb begrüßt sie das Vorhaben der Landesregierung gerade auch für OWL als einen wichtigen Baustein zur Sicherung der ökologischen Infrastruktur. Dabei stand die Ausweisung von Wildnisgebieten als politisches Ziel von Anfang an neben dem Ziel in NRW einen 2. Nationalpark auszuweisen. Da der Nationalpark von vielen Bürgern und Bürgerinnen vor Ort nicht gewollt war, kann das Land als Eigentümer nun das andere Ziel umsetzen.
Von interessierter Seite wurde schon im Vorfeld gegen Wildnisgebiete gewettert. Dabei wird der Waldbesitzer NRW auf seinem Eigentum nur seine Forstwirtschaft so aufstellen wie er es für richtig hält, in dem Fall auf insgesamt kleinen Teilflächen den forstlichen Hiebssatz auf Null stellen, meint Karsten Otte dazu.
Bislang wurde gerade in konservativen Kreisen das Eigentum mit Respekt behandelt, und dem Waldbewirtschafter „von nebenan“ nicht hineingeredet. Das haben offensichtlich auch schon CDU-Landräte im Rhein-Sieg-Kreis und in Coesfeld erkannt und begrüßen die neuen Wildnisgebiete als Fortschritt im Naturschutz. Dazu Karsten Otte: „Mit einem mehrheitlich abgelehnten Nationalpark „durch die Hintertür“ hat das nichts zu tun, wenn naturwissenschaftlich notwendige Maßnahmen zur Umsetzung nationaler und internationaler Verpflichtungen implementiert werden. Vielmehr sehe ich hier gute Optionen, die im letzten Jahr postulierten Bekenntnisse „Ja zur Natur“ und zu einem noch auszugestaltendem „Naturpark Plus“ mit Leben und Inhalt zu füllen.“
Quelle: Pressemitteilung Bezirkskonferenz Naturschutz in OWL vom 08.07.2025.