Klima, Quellen und Bäche

16. Januar 2024 | BUND, Bäume, Lebensräume, Moore, Naturschutz, Wälder, Wildkatze, Wildnis

Wertvolle Lebensräume bewahren - Naturschätze des Eggegebirges schützen.

Karstquelle mit Wasseraustritt aus einer Kluft Karstquelle mit Wasseraustritt aus einer Kluft  (Günter Bockwinkel / egge-nationalpark.de)

Die Eggegebirgsregion ist geprägt durch Wälder, Felsen, Höhlen, Quellen, Bäche und Moore. Diese Fülle an Lebensräumen bietet eine ideale Grundlage für eine Vielfalt an Lebensformen, für Biodiversität. Ein solcher Naturschatz kann am besten in einem Nationalpark bewahrt werden, sagt Hydrogeologe Dr. Manfred Dümmer.

Vertreter von Natur- und Umweltverbänden fordern zusammen mit dem Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge schon lange die Einrichtung eines Nationalparks in Ostwestfalen-Lippe. „Naturschutzfachlich bietet die Egge beste Voraussetzungen für einen Nationalpark“, wirbt Dr. Manfred Dümmer für das Großschutzgebiet. So seien die Quellen des Eggegebirges äußerst wertvolle Lebensräume für charakteristische Arten.

Das Eggegebirge wirke bei der vorherrschenden Südwest-Windrichtung wie ein regelrechter Regenfänger, erklärt Manfred Dümmer. „Bis über 1.200 mm Niederschläge werden am Gebirgskamm als Steigungsregen aus der vom Atlantik kommenden feuchten Luft gekämmt. Und das hat bedeutende Folgen für das Klima und die Lebensräume der Egge.“

In Mulden und Senken sammelt sich das Regenwasser, die Böden saugen sich voll wie ein Schwamm. Trotzdem gibt es durch die ergiebigen Niederschläge einen großen Wasserüberschuss. Da der Felsenuntergrund in der Egge von Spalten und Klüften durchzogen sei, versickern große Regenmengen sehr schnell im Untergrund, erläutert der Hydrogeologe. Dort würden die Wassermengen unterirdisch von den Kammlagen in östliche und westliche Richtung fließen, bis sie in einer Vielzahl von Quellen wieder zutage treten.

Im Quellenkataster des Landes NRW sind allein im Eggegebirge innerhalb der Staatswaldflächen etwa 140 Quellen verzeichnet. Dabei handelt es sich nur um die relativ großen Quellen. Rechnet man auch die zahlreichen kleinen und kleinsten Quellen hinzu, dürfte die Anzahl mindestens drei- bis viermal so hoch sein.

Nicht nur die große Anzahl der Quellen, sondern die Vielfalt der Strukturen seien ausgesprochen wichtig für die Quellen und die anschließenden Gewässerabschnitte, die sogenannten Quelloberläufe, macht Dümmer deutlich. So gäbe es Kluft- oder Spaltenquellen, die direkt aus Lücken im Felsuntergrund austreten. Ihr Wasser stürzt oftmals steile Felswände hinab. Und dann gäbe es Schicht- und Sickerquellen, bei denen der Wasseraustritt über einer wasserstauenden Schicht erfolgt. Solche Quellen befeuchten meistens größere Flächen. Oft sind entlang der stauenden Schichten regelrechte Quellhorizonte ausgebildet, bei denen sich Dutzende von Quellen wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen.

Für die Charakteristik einer Quelle sei zudem entscheidend, aus welcher Gesteinsart sie gespeist würde. In der Egge sind das Sandsteinschichten und unterschiedliche Kalksteinformationen. Besonders die im Kalkstein liegenden Quellen bildeten äußerst interessante Lebensräume. Das Wasser löst beim Durchfließen des Kalksteins nach und nach den Kalk auf, wodurch Löcher, Klüfte und sogar Höhlen entstehen. Man bezeichnet diesen Vorgang als Verkarstung. „Typische große Karstquellen finden wir an der Alme, der Pader, der Lippe und der Heder. Die Quellen im Eggegebirge sind dagegen viel kleiner und bieten deutlich geringere Wasserschüttungen“, so Dr. Dümmer.

Tritt das Wasser in den sogenannten Karstquellen wieder aus, kann der gelöste Kalk ausgefällt werden. Er lagert sich dann oft in der Quelle und im Quelloberlauf auf Moosen, Blättern und Steinen als hellgelbe oder blaugrüne, bröckelige Schicht (Kalktuff) ab. Das nennt man Versinterung. Dabei können im Laufe der Zeit dicke Schichten und regelrechte Sinterterrassen aus Kalktuff entstehen. Aufgrund ihrer Seltenheit, Empfindlichkeit und Ausprägung sind solche Kalktuffquellen europaweit ganz besonders geschützt.

Hydrogeologe Dr. Manfred Dümmer: „Die Quellen des Eggegebirges sind äußerst wertvolle Lebensräume für charakteristische Arten. Markant sind zum Beispiel die Feuersalamander, deren Larven häufig in Quelloberläufen zu finden sind. Auch die gestreifte Quelljungfer, deren Larven mehrere Jahre in den Quellen leben, pflanzt sich in der Egge noch an vielen Quellbächen fort. Und Bachflohkrebse zersetzen in individuenreichen Beständen Falllaub in den Gewässern.“

Viele Karstquellen fallen im Sommerhalbjahr regelmäßig trocken. Typische Bewohner dieser Quellen sind daran angepasst. Zu nennen sei hier beispielsweise die Quellköcherfliege, deren Larven sich bei Trockenheit tief in Spalten im Untergrund zurückziehen und so die Trockenphase überstehen.

„Ein weiterer bemerkenswerter Spezialist ist der Alpenstrudelwurm, der im Eggegebirge zahlreiche kühle und sauerstoffreiche Quellen besiedelt“, so Dr. Dümmer. Dieser kann nur bei Temperaturen unter 15 Grad Celsius überleben und gilt in Nordwestdeutschland als Eiszeitrelikt. Seine Nahrung besteht vor allem aus Bachflohkrebsen, er selbst wird von Steinfliegen gefressen.

Manfred Dümmer ist überzeugt „Die Quellen der Egge sind ein großartiger Naturschatz, der am besten in einem Nationalpark bewahrt werden kann.“

Naturschätze im Eggegebirge

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