Protagonisten der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL: Ulli Richter (v.l.), Karsten Otte, Dr. Josef Tumbrinck, Oliver Conz, Brigitte Scheuer, Heinz-Günter Koßmann und Bernd Milde
(Bezirkskonferenz Naturschutz OWL)
Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL (BK) tagte im Kreishaus Detmold zu Ihrer regelmäßig stattfindenden Mitgliederversammlung. Mehr als 100 Personen aus dem Bereich des Naturschutzes, der Naturschutzbeiräte, der Biologischen Stationen, der Naturparke, Zweckverbände und Stiftungen aus dem Regierungsbezirk gehörten dazu. Nicht zu vergessen die Vertreter der Wissenschaft von der Uni Bielefeld und der Hochschulen OWL.
Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Landrat Meinolf Haase erläuterte der Vorsitzende des Regionalrats, Heinz-Günter Koßmann die Wichtigkeit der Bezirkskonferenz in Verbindung mit der Arbeit des Regionalrats und wiesen auf die gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit hin.
Schwerpunktthema war die von der EU - Kommission verabschiedete Wiederherstellungs-Verordnung, die zum Ziel hat geschädigte Ökosysteme in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. Dazu gehören die gesamten Land- und Meeresflächen. Ein großer Erfolg gebührt dem Sprecher der Bezirkskonferenz, Karsten Otte dem es gelungen war den Abteilungsleiter Naturschutz aus dem Bundesumweltministerium, Oliver Conz und den Abteilungsleiter Naturschutz aus dem Umweltministerium NRW, Dr. Josef Tumbrinck als Referenten zu gewinnen. Sie konnten den aktuellen Planungs- und Erarbeitungsstand zur Umsetzung dieser EU-Verordnung aktuell und aus Sicht der federführenden Referate vorstellen.
Zu Beginn der Referate führte die stellv. Sprecherin, Brigitte Scheuer in das Thema ein und fragte die Referenten: „Was bedeutet die WVO für die hier erschienenen Naturschützer, Waldbesitzer und Forstwirte? Was erwarten Sie von uns? Was bringt es der Region?“
Wie sollen die naturnahen Wälder, Moore, Flüsse, Agrarlandschaften und die anderen Ökosysteme wieder in einen guten Zustand versetzt werden? Wer ist betroffen? Wer setzt die Maßnahmen um? Wie kann ermittelt werden, dass die Ziele erreicht werden? Dies waren nur einige Fragen, die das Publikum an die Referenten hatten.
Wie ist es mit den Städten und Kommunen im ländlichen Raum, wenn ein Stadtumbau vorgesehen ist? Hier sollen alle Grünflächen erfasst werden, um sicher zu stellen, dass kein Nettoverlust an Grünflächen verloren geht. Es gilt ein Verbesserungsverbot und damit gleichzeitig ein Verschlechterungsverbot. Für jeden Quadratmeter Grünland muss bei einer Bebauung ein adäquater Ausgleich in der Stadt geschaffen werden. Dies gilt auch bei Verlust von Bäumen. Denn das Gesetz möchte eine Vergrößerung der Stadtüberschirmung. Wenn der Gesetzgeber will, dass aus der grauen eine grüne Infrastruktur entsteht, wie soll das sichergestellt werden?
Wenn der Gesetzgeber weiß, dass 95 % der gesamten Waldfläche in keinem guten Zustand sind, wie will er diesen Zustand verbessern? Diese aktuellen Fragen und noch viel mehr, sollen durch die WVO erreicht werden. Aber wer soll dies umsetzten? Wird das notwendige zusätzliche Personal und die Sachkosten, insbesondere für den Landerwerb zur Verfügung gestellt? Hierauf gab es keine zufriedenstellenden Antworten.
Dr. Tumbrinck kam zum Ergebnis:“ Das Ziel ist am Erfolg zu messen“.
Zur Erstellung eines Entwurfs für den Wiederherstellungsplan, der bis September 2026 der EU-Kommission vorgelegt werden muss, haben bisher nur die Vertreter der Ministerien zusammengearbeitet. Eine Beteiligung der Öffentlichkeit hat bisher nicht stattgefunden. Dies wird ab April 2026, also in Kürze geschehen. Die Frist beträgt aber nur 2 Monate. Eine Riesenaufgabe für das Ehrenamt. Alle Betroffenen sind aufgerufen sich zu beteiligen.
Der Referent des Bundes, Oliver Conz wies auf die Krisenherde in der Welt hin und auf die möglichen Auswirkungen auf den Naturschutz in der EU und in Deutschland. Er folgerte jedoch für seine Arbeit: „Der Naturschutz ist sicherheitsrelevant, in Krisenzeiten ist Natur umso wichtiger …“
Die Aussprache zum Thema war intensiv und fachlich orientiert. Sie zeigte, dass die Teilnehmer sämtlich durch die WVO in ihren Aufgaben tangiert sind, Hilfestellung geben wollen, aber auch eine Unterstützung erwarten.
Hier wurde jedoch nur auf bestehende Förderprogramme für die FFH- und Vogelschutzgebiete, für die Maßnahmen nach der WRRL und den unterschiedlichen Programmen für die Land- und Forstwirtschaft verwiesen. Die Teilnehmer zeigten sich, nach derartigen Aussagen enttäuscht und frustriert. Von dem geltenden Konnexitätsprinzip, dass nämlich derjenige, der die Aufgaben verteilt auch deren Ausgaben zu tragen hat, kann nicht die Rede sein. Dass der Gesetzgeber sogar auf den Topf der Ersatzgelder, die insbesondere für den Eingriff in das Landschaftsbild zu zahlen ist, zugreifen will, ärgerte die Teilnehmer. Sollen diese Gelder doch für einen konkreten Eingriff vor Ort Ersatz- und Ausgleich schaffen.
Dies gilt auch für die Themen, die in Kurzvorträgen zu den Themen ICE Neubaustrecke Bielefeld - Hannover von der Sprecherin der Initiative pro-Ausbau, Bahnfreunde aus dem Landkreis Schaumburg Claudia Grimm sowie vom bisherigen Vorsitzenden des Naturschutzbeirats im Kreis Herford, Ullrich Richter zu den Anforderungen an Freiflächen Photovoltaikanlagen gehalten wurde.
Im Rahmen der Verabschiedung der Teilnehmer erklärte Karsten Otte: „Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL ist und bleibt ein wichtiges Gremium der Information, des Meinungsaustauschs und der gemeinsamen Arbeit in der Region und ist unverzichtbar.“
Quelle: Pressemitteilung Bezirkskonferenz Naturschutz OWL vom 27.03.2026.